Ökologische Nachhaltigkeit

Wie kann Kulturproduktion unter den Bedingungen der globalen ökologischen Krise gestaltet werden? Welche Möglichkeiten bieten Kultureinrichtungen, um zukunftsweisende Ideen zu entwerfen und zu erproben? Die KBB beschäftigt sich mit diesen Fragen und arbeitet systematisch an der Verbesserung der eigenen Umweltbilanz.

Eine Initiative für Nachhaltigkeit und Kultur als Anstoß: Zwischen 2010 und 2012 realisierte die Kulturstiftung des Bundes das Projekt „Über Lebenskunst“ in Kooperation mit dem Haus der Kulturen der Welt. Im Rahmen des gleichnamigen Festivals präsentierten 2011 Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen Reflexionen zum Thema Klimawandel und luden ein, zukunftsfähige Modelle einer Lebenskunst für das 21. Jahrhundert zu erproben: Was kann „gutes Leben“ unter den Bedingungen der globalen ökologischen Krise bedeuten? Das Initiativprojekt, das längst geführte Nachhaltigkeitsdebatten stärker in der Kultur zu verankern suchte, wurde zum Ausgangspunkt der Auseinandersetzung der KBB mit ökologischer Nachhaltigkeit.

Gemeinsam mit ihren Mitarbeitenden beschäftigt sich die KBB seither mit den Möglichkeiten, die eine Kultureinrichtung als Ort für zukunftsweisende Ideen im Umweltschutz bereithält. Dabei geht es nicht nur darum, Nachhaltigkeits-Diskurse im programmatischen Auftrag erzählbar zu machen, sondern auch um das Potenzial von Kultur, einen übergreifenden Wandel in der Gesellschaft voranzutreiben.

Als Grundlage für diesen Prozess stellt sich die KBB seit 2013 mithilfe des internationalen Umweltmanagementsystems EMAS (Eco-Management mit Audit Scheme) ihrer eigenen Umweltbelastung und ermittelt konkrete Zahlen – von der Erhebung des Wasserverbrauchs in den einzelnen Häusern über Material- und Stoffstromanalysen bis zur Messung der verbrauchten Kilowattstunden für Heizungen und Scheinwerfer.

Einige Schritte zu mehr Nachhaltigkeit

  • Bahn statt Flugzeug bei Dienstreisen innerhalb Deutschlands und in Großstädte angrenzender Länder
  • Systematische Einbindung der Mitarbeitenden
  • Energetische Sanierung unserer Liegenschaften und kontinuierliche energetische Optimierung dieser
  • Leitfäden zur nachhaltigen Organisation von Veranstaltungen
  • Schrittweise Umstellung des Fuhrparks der KBB auf Elektromobilität
  • Häuserübergreifender Materialmarkt und berlinweite Kreislaufwirtschaftsprojekte

Die Umweltleitlinie der KBB

Wie funktioniert EMAS?

Entwickelt von der Europäischen Union unterstützt das internationale Umweltmanagementsystem EMAS (Eco-Management mit Audit Scheme) Unternehmen dabei, einen wirksamen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Seit 2013 richtet die KBB ihr Umweltmanagement an EMAS aus und arbeitet seitdem kontinuierlich an der Verbesserung der eigenen Umweltbilanz.

EMAS funktioniert von innen heraus, indem es in die DNA des Unternehmens eingewoben wird: Die Basis des Systems bilden das Engagement und die Einbindung der Mitarbeitenden der KBB. Diese diskutieren als Umweltteam erhobene Daten und formulieren darauf aufbauend jährlich Maßnahmen zum Klima- und Ressourcenschutz. EMAS unterstützt und koordiniert das Bestreben, indem die gesetzten Ziele regelmäßig durch interne sowie externe Überprüfungen, sogenannten Audits, vorangetrieben werden. Auf diese Weise wird die Umsetzung der selbsterwählten Maßnahmen sichergestellt sowie nach innen und außen kommuniziert. Die EMAS-Validierung schafft somit die notwendigen Rahmenbedingungen, um Umweltbildung im Unternehmen zu verankern und Strukturen sowie Prozesse nachhaltig zu verändern.

Am 24. November 2021 hat die KBB die Bestätigung von der Industrie- und Handelskammer erhalten, dass sie die EMAS-Urkunde für ökologisches Wirtschaften mit der Registrierungsnummer DE-107-00140 mindestens bis zum 1. Oktober 2024 weiterführen kann.

Engagement der Kolleg*innen

Ich bin gern Teil des Umweltteams, weil ich der festen Überzeugung bin, dass sich einiges im Festivalbereich verändern muss. Diese Veränderungen bedeuten nicht automatisch Verzicht, sie können Spaß machen und darauf habe ich Lust!

Katharina Fritzsche, Organisationsleitung Theatertreffen, Berliner Festspiele

Auf einem Wagen wird eine Konstruktion aus Holz gebaut.
Parkplatzgarten am Gropius Bau mit Holzbänken, Liege- und Sitzmöglichkeiten sowie Pflanzenbeeten.

Schwerpunkte im Umweltmanagement der KBB

Ökologische Nachhaltigkeit in der Kulturproduktion

Wie können Kulturveranstalter nachhaltiger handeln und zu einem grundlegenden Umdenken im Kulturbetrieb beitragen? Statt auf kulturellen Verzicht setzt die KBB auf technisches Wissen, Kreativität und Innovation. Soweit es die künstlerischen Prozesse zulassen, werden bei der Planung, Durchführung und Nachbereitung von Veranstaltungen ökologische Gesichtspunkte, insbesondere in den Bereichen Ressourceneinsatz, Beschaffung, Dienstreisen, Verkehr und Entsorgung, berücksichtigt. So werden Bühnenexponate mittels eines häuserübergreifenden Materialmarktes weitergereicht, Auflagenhöhen reduziert und Leitfäden zur umweltfreundlichen Veranstaltungsorganisation erarbeitet. Ziel ist es, ein allumfassendes Bewusstsein für umweltschonendes Handeln und die eigene Verantwortung zu schaffen, indem Alternativen aufzeigt werden.

Maßnahmenbeispiele:

  • Leitfäden zur ökologisch nachhaltigen Künstler*innen- und Gästebewirtung, zur nachhaltigen Organisation von Veranstaltungen und zur umweltfreundlichen Beschaffung
  • Häuserübergreifender Materialmarkt zur Wiederverwendung von Materialien aus dem Veranstaltungsaufbau
  • E-Fahrzeuge im Veranstaltungsfuhrpark der Berlinale und der KBB
  • Nutzung von umweltfreundlichen Materialien bei der Produktion von Printpublikationen sowie Reduzierung der Auflagenhöhe von Printprodukten
  • Vermeidung von Einwegmaterialien im Bereich Bewirtung

Nachhaltige und effiziente Verwaltung der Häuser

Wie können Ausstellungs- und Bühnenhäuser ihren CO2-Verbrauch langfristig reduzieren? Seit Einführung des Umweltmanagements erfasst die KBB kontinuierlich die Verbrauchsdaten für Wärme, Strom, Wasser, Abfall und bestimmte Verbrauchsprodukte sowie die daraus resultierende CO2-Emission für jeden Standort ihrer Institutionen. Ihre Auswertung bildet die Basis für das Aufstellen von optimierenden Maßnahmen. Die technische und energetische Sanierung der Häuser der KBB sowie der bereits 2013 vollzogene Umstieg auf Ökostrom markieren hierbei wichtige Meilensteine in einer umweltbewussten Verwaltung und Nutzung der Gebäude. Im engen Austausch mit Mitstreiter*innen spielt auch die gesellschaftliche Verantwortung eine große Rolle, wenn Energieverbrauch aufgrund steigender Kosten und möglichen Engpässen reduziert werden muss.

Maßnahmenbeispiele:

  • Bereits seit 2013 ausschließlich Nutzung von Ökostrom sowie sukzessive Reduzierung des Stromverbrauchs
  • Seit 2010 Photovoltaikanlage auf dem Dach des Gropius Bau
  • Modernisierung der Klima- und Heizungsanlage der Berliner Festspiele sowie Einbau einer Wärmerückgewinnungsanlage
  • Erneuerung der Stahl-Glas-Fassade im Haus der Kulturen der Welt (HKW)
  • Energetische Gesamtsanierung des Haus der Berliner Festspiele
  • Schrittweise KBB-weite Umrüstung auf verbrauchsarme LED-Leuchten im Gebäudemanagement sowie im Veranstaltungsbetrieb
  • Entlastung der Server: Reduzierung der selbst betriebenen Server von 18 auf sechs Server sowie von drei auf zwei Serverräumen plus zusätzliche Einschränkung der Klimatisierung der Serverräume
  • Reduzierung der Raumtemperatur auf 19 °C in den Büroräumen während der Heizperiode

Förderung des Umstiegs in eine umweltfreundliche Mobilität

Die KBB hat sich mit ihren Mitarbeitenden darauf verständigt, Dienstreisen so klimaneutral wie möglich durchzuführen. Aus diesem Grund erstattet die KBB innerhalb von Berlin ausschließlich Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Auch innerhalb von Deutschland sowie in europäische Großstädte angrenzender Länder gilt die Bahn als präferiertes Reisemittel. Für länger beschäftigte Mitarbeitende besteht die Möglichkeit, das BVG-Firmenticket zu beziehen. Zusätzlich stellt die KBB ihren für den Betrieb notwendigen Fuhrpark sukzessive auf E-Fahrzeuge um.

Maßnahmenbeispiele:

  • Anschaffung von E-Bike-Lastenrad und E-Transporter als Ausgangspunkt der Umstellung des Logistik-Fuhrparks auf umweltfreundliche Lösungen
  • Fahrradstationen für Leihräder an unseren Häusern
  • Förderung der Fahrradnutzung durch Mitarbeiter*innen – Angebot eines kostenlosen Fahrradchecks in Kooperation mit dem ADFC sowie Angebot eines Dienstfahrrad-Leasings
  • Webkonferenzen und Online-Meetings werden bevorzugt

Förderung des Umweltbewusstseins aller Mitarbeitenden

Entscheidungen zur Nachhaltigkeit treffen all diejenigen, die produzieren, mitgestalten und selbst konsumieren. Daher ist es der KBB ein besonderes Anliegen, die Mitarbeitenden aller Häuser in die ökologische Ausrichtung einzubinden, um die KBB als Unternehmen auf dem Weg in eine ökologische Zukunft zu begleiten. Die Mitarbeitenden der KBB werden daher zu regelmäßigen Umweltteamsitzungen eingeladen, um aktiv am Transformationsprozess teilzunehmen sowie eigene Ideen einzubringen. Schulungen und Informationen über umweltbewusstes Verhalten am Arbeitsplatz sowie gemeinsame Ausflüge stärken zusätzlich das Bewusstsein für ökologische Nachhaltigkeit, während die Mitglieder des Umweltteams als ständige Ansprechpartner*innen zur Verfügung stehen.

Maßnahmenbeispiele:

  • Öffentliche Umweltteamsitzungen seit 2016
  • Schulungen über umweltfreundliches und gesundheitsverträgliches Heizen und Lüften
  • Jährlicher KBB-Umwelttag (bspw. Teilnahme am World-Cleanup-Day, Besuch der EMAS-zertifizierten Bäckerei Märkisches Landbrot)
  • Regelmäßige Hinweise zum umweltbewussten Verhalten am Arbeitsplatz
  • Schulungen zur umweltgerechten Beschaffung und zur nachhaltigen Veranstaltungsorganisation

Ausgleichsmaßnahmen

Für nicht zu vermeidende Flugreisen der Mitarbeitenden unterstützt die die KBB die Vernässung von Mooren in Norddeutschland durch den Erwerb von MoorFutures. MoorFutures widmet sich der Renaturierung von Mooren in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Als leistungsstarke Kohlenstoffspeicher binden Moorgebiete etwa ein Drittel des im Boden und in der Biomasse der Erde existierenden Kohlenstoff und bedecken dabei nur drei Prozent unseres Globus. Über den Kauf von freiwilligen Klimaschutzzertifikaten unterstützt die KBB MoorFutures bei ihrer Arbeit, trocken gelegte Moore wieder zu vernässen und somit CO2 im Boden dauerhaft zu binden. Die Mittel des KBB fließen in die Wiedervernässung von ehemaligen Mooren. Mehr dazu finden Sie unter www.moorfutures-sh.de oder hier.

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